Poller, WCs und Nächtliche Ruhestörung: Bürgergespräch Regensburg Altstadt

August 4, 2015 in Allgemein von tobiashammerl

Moderator: Dr. Tobias Hammerl, Stadtrat und OV Vorsitzender

Moderator: Dr. Tobias Hammerl, Stadtrat und OV Vorsitzender

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs kam (wie geplant) erst zum zweiten Teil der Veranstaltung. Dies brachte ihm nicht nur eine, sondern gleich einen ganzen Stapel roter Karten einbrachte, denn Sarah Nerb und Dr. Tobias Hammerl, der die Veranstaltung moderierte, hatten im ersten Teil mit den Bürgerinnen und Bürgern Themen gesammelt, die ihnen besonders auf den Nägeln brennen. Diese wurden auf roten Karten notiert und später mit dem OB abgearbeitet.

Auf der ersten Karte fand sich – fast schon erwartungsgemäß – das Thema nächtliche Ruhestörung mit allen Begleiterscheinungen wie Vandalismus, Personenschäden und Wildpinkeln. Besonders die sog. Jungesell(inn)enabschiede waren den Anwesenden ein Dorn im Auge. Ein Bürger berichtete, dass „die Organisatoren, die diese Events vermarkten, führen Regensburg an erster Stelle der dafür geeigneten Städte an, da hier kaum mit Problemen, auch Seitens der Ordnungskräfte zu rechnen sei“, was immer mehr Gruppen dazu bewegen würde, in der Altstadt „die Sau rauszulassen“.

Einige Anwesenden forderten einen stärkere Präsenz des kommunalen Ordnungsdienstes. Dem erteilte der OB eine Absage, da der Ordnungsdienst nur aus sechs Mann bestünde, die in Schichten für das gesamte Stadtgebiet zuständig seien. Oberbürgermeister Wolbergs forderte hingegen eine eine bessere personelle Ausstattung der Polizei. Der OB sah beim Thema Lärm die Gastronomie nicht als das Hauptproblem. „Die eingebauten Limitter verhindern hier ein Überschreiten der Lärmwerte“, so Wolbergs.

OB Joachim Wolbergs diskutiert mit den BewohnerInnen der Altstadt

OB Joachim Wolbergs diskutiert mit den BewohnerInnen der Altstadt.

Das Problem der Wildpinkler empfanden viele der Anwesenden als stark belastend. Es fehle an öffentlichen Toiletten. Joachim Wolbergs wies darauf hin, dass sich „immer mehr Gastronomen der Initiative Nette Toilette anschließen würden“, bei der Gastronomen ihre Toiletten auch Nicht-Gästen zur Verfügung stellen. Dennoch sah auch der Oberbürgermeister, dass stark Alkoholisierte sich im Zweifel ungeniert im öffentlichen Raum entleeren würden. OB Wolbergs sagte aber zu, die derzeit geschlossene Toilette in der Tiefgarage am Bismarckplatz durch eine mobile Einheit zu ersetzen. Auch sollen Lampen mit Bewegungsmelden an besonders betroffenen Orten abhelfen.

Auf der zweiten roten Karte standen eine ganze Reihe von Verkehrs- und Mobilitätsthemen. Ein Problem sei der Handwerks- Liefer- und sonstige Kraftverkehr, der tagsüber – unberechtigt – die Straßen und Plätze der Altstadt verstopft. Nach Wolbergs Willen sollen die geltenden Regelungen bezüglich der Einfahrt in die Wohnverkehrsstraßen in Zukunft durch versenkbare Poller durchgesetzt werden. „Nur wer eine Berechtigung hat, kann in Zukunft einfahren.“ Hierzu werden nach Aussage des OB an Einfahrtspunkten zur Altstadt versenkbare Poller installiert, die mittels eines elektronischen Signals, Berechtigten innerhalb festgelegter Zeiträume die Einfahrt frei geben. Als Beispiel nannte er Salzburg, wo das System mittlerweile gut funktioniere.

Hinsichtlich des ÖPNV stellte der OB klar, dass der Altstadtbus erhalten bleibt. Allerdings sollen die derzeitigen Fahrzeuge sollen durch kleine, elektrisch betriebenen Busse ersetzt werden. Von einem Bürger wude angeregt, mehr Ruhebänke aufzustellen. Hierzu gab der OB bekannt, dass sich eine Designergruppe mit der Ausgestaltung befasse.

Insgesamt liegt Oberbürgermeist Wolbergs die Altstadt sehr am Herzen. Das Lebendige in unserer Altstadt soll erhalten bleiben und nicht durch Ordnungsmaßnahmen und Verbote erstickt werden. Die größte Sorge bereitet ihm dabei aber nicht das Wohnen, sondern der Einzelhandel in der Altstadt. Stürbe dieser, stürbe die Altstadt.

Der Vorbericht der Mittelbayerischen Zeitung findet sich hier.

Der Nachbericht der Mittelbayerischen Zeitunge findet sich hier.